Stellungnahme der Umweltverbände

“Landesmobilita?tsplan schrammt am Klimaziel 2040 vorbei”

Dienstag, 08. August 2023 | 13:32 Uhr

Von: luk

Bozen – “Der Verkehrssektor bleibt ein Sorgenkind – in Su?dtirol stammen aktuell 44 Prozent der CO2- Emissionen aus dem Verkehr. So wie es aussieht, a?ndert sich das auch nicht mit dem neuen „Landesplan fu?r nachhaltige Mobilita?t“, der unla?ngst vero?ffentlicht wurde. Das Planungswerk ist umfangreich und beachtlich”, so Heimatpflegeverband Su?dtirol und Dachverband fu?r Natur- und Umweltschutz in einer ersten Stellungnahme, “schrammt aber an seiner Zielsetzung vorbei: Der Mobilita?tsplan setze vor allem auf Dekarbonisierung, wa?hrend die Verkehrsreduzierung und der Ausbau nachhaltiger Mobilita?t zu kurz kommen.”

U?ber 460 Seiten umfasst der Entwurf des neuen Mobilita?tsplans. “Aber trotz des hohen Anteils des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen in Su?dtirol stecken die geplanten Maßnahmen nicht klar ab, wie die Klimaneutralita?t bis 2040 tatsa?chlich erreicht werden soll. Viele Maßnahmen sind nur auf 2035 angelegt. So sollen die CO2-Emissionen bis dahin um 27 Prozent durch Dekarbonisierung und Fo?rderung des Personennahverkehrs sinken. Das hieße, dass fu?nf Jahre vor dem Klimaneutralita?tsziel 2040 noch 73 Prozent der CO2- Emissionen verbleiben“, so Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes Su?dtirol. Wie mit dem steigenden Transitverkehr – erwartet wird beim Gu?terverkehr auf Straße und Schiene ein Plus von 30 Prozent auf der Brennerachse bis 2040 – umzugehen ist und wie eine Reduzierung des Verkehrsvolumens im Detail erfolgen soll, bleibe der Mobilita?tsplan schuldig.

Dekarbonisierung reicht nicht aus

Im Zentrum des Landesplans fu?r nachhaltige Mobilita?t stehe die Dekarbonisierung der o?ffentlichen und privaten Verkehrsmittel, so die beiden Umweltverba?nde. „Eine nachhaltige Zukunft sei jedoch nicht allein durch den Umstieg auf emissionsarme Fahrzeuge zu erreichen. Aufgrund u?bergeordneter Rahmenbedingungen wird die KFZ-Flotte erst weit nach 2040 elektrifiziert sein. Zudem verursacht auch Elektro-Mobilita?t – wenn auch reduziert – La?rm, Klimascha?den und Verschmutzung. Rund ein Drittel des Mikroplastiks in unseren Meeren stammt aus Reifenabrieb. Verkehrsvermeidung muss deshalb in allen Belangen der Verkehrspolitik oberste Priorita?t haben,“ so Josef Oberhofer, Pra?sident des Dachverbands fu?r Natur- und Umweltschutz.

Gemeinden in nachhaltiger Mobilita?t unterstu?tzen

Ein weiterer Knackpunkt sei der motorisierte Individualverkehr innerhalb der Gemeinden, der aktuell 42 Prozent des Verkehrsaufkommens ausmacht. Hier sind laut Mobilita?tsplan die Gemeinden in der Verantwortung, mit dem Ausbau von Fuß- und Radwegen und des O?ffentlichen Personennahverkehrs wesentliche Verkehrsverminderungen einzuleiten. “Aber es gibt zu wenig konkrete Handlungsrichtlinien fu?r die Gemeinden und es fehlt an Koordination. Es braucht fu?r die Gemeinden klare Konzepte fu?r den Ausbau des Bus- und Fahrradwegenetzes, fu?r zwingende Verkehrsbeschra?nkung in sensiblen Zonen, fu?r die
Dekarbonisierung und logistische Optimierung im urbanen und innero?rtlichen Waren- Zustellverkehr und fu?r einen neuen La?rmschutzplan,“ unterstreichen Oberhofer und Plaikner.

Stellungnahmen bis Mitte September mo?glich

“Klimaneutralita?t bis 2040 ist das gemeinsame Ziel und ist auch im Verkehrssektor erreichbar”, sind sich Heimatpflegeverband und Dachverband einig. Daher mu?sse der Mobilita?tsplan konkrete Maßnahmen, sowie klare Leitlinien vorgeben und ausreichende Unterstu?tzung bereitstellen, um dieses Ziel zu erreichen. Bis Mitte September ko?nnen Bu?rger, Gemeinden und Verba?nde nun Stellungnahmen zum Mobilita?tsplan abgegeben – auch Heimatpflegeverband und Dachverband werden das tun. “Die Bereitschaft zur Mitarbeit und das Engagement der Gemeinden, des Landes und der Bu?rger sind entscheidend, um die zuku?nftige Mobilita?t in Su?dtirol im Einklang mit den Klimazielen und der Lebensqualita?t der Bevo?lkerung zu gestalten. Der Mobilita?tsplan schrammt aktuell am Klimaziel vorbei, wir sehen es als unsere Aufgabe ein Nachbessern einzufordern,“ betonen Plaikner und Oberhofer.

Bezirk: Bozen